goetheanum (die zeit article, 2004)

High over the Dornach village lies the sanctuary of the anthroposophists, the Goetheanum. I continue to read old articles from Die Zeit’s archives! This time, a not so old, but well-written and interesting, article; it’s from 2004, and about a visit to the sanctuary.

Am Ende ist man verstört. Völlig vergeistigt angesichts eines unförmigen Betonkolosses, der hoch über dem Dorf steht. Man glaubt sogar, die Sprache seiner grauen Masse zu verstehen. Aber davon ahnt man am Anfang noch nichts. Dornach, zwanzig Tramminuten südlich von Basel, ist ein ganz normales, wohlhabendes Schweizer Dorf. [. . . ] Dann bemerkt man vielleicht, dass überdurchschnittlich viele ältere Herren eine Baskenmütze tragen. Diese Herren sind Wesen aus einer zweiten Welt, die innerhalb von Dornach und der Nachbargemeinde Arlesheim existiert. [. . .] Wenn man in Dornach unterwegs ist, erkennt man die Anthroposophen leicht. An den aufwändigen Zopfkonstruktionen, mit denen die Damen ihre Haare hochgesteckt haben. An den exakten, ruhigen Schritten, die wirken, als gäbe es außerhalb des eigenen Körperradius nichts, dem man Aufmerksamkeit schenken muss. Als Besucher möchte man manchen gerne unauffällig ein bisschen folgen.

On the Goetheanum building:

Fremd wie ein Raumschiff steht das Goetheanum auf der Wiese, mit dem festen Gewicht eines uralten Elefanten. Aber gleichzeitig scheint der klobige Korpus aus hellem Beton frei zu schweben.

On its interior:

Die äußere Würde verwandelt sich jenseits der Pforte in herrische Autorität. Klotzige Betonträger ragen schief in die Räume, asymmetrische Fenster lenken den Blick in den leeren Himmel, der Atem hallt merkwürdig in den düsteren Treppenhäusern. Alles ist riesig und klobig. Jede Ecke weist den Besucher darauf hin, dass er den Sinn dieser ganzen Schiefheit nicht ohne weiteres verstehen kann.

On the restaurant:

… es liegt auch etwas Übergründliches, Rechthaberisches in der Luft, eine Verbissenheit, mit der man die anderen bei der persönlichen Vervollkommnung zu übertrumpfen versucht. Wer Essen als sinnliche Angelegenheit betrachtet, scheint dabei nicht weit zu kommen.

One thought on “goetheanum (die zeit article, 2004)

Comments are closed.