die zeit articles (waldorf)

Over the last two days, there’s been two articles about waldorf education in German newspaper Die Zeit. The first one is written by a former waldorf school student, who chooses not to send his own children to waldorf school. Although he enjoyed waldorf education, he thinks that

die Waldorfschule habe zwar ein paar Schwächen bei der Vermittlung von Faktenwissen. Dafür fördere sie aber auf besondere Weise die Kreativität und die Entwicklung der Persönlichkeit. Das ist leider nicht die ganze Wahrheit. Denn wie Kreativität sich äußern und welche Persönlichkeit sich entwickeln darf, davon hat die Anthroposophie sehr genaue Vorstellungen. Wenn ich heute eine Waldorfschule besuche, sehe ich an den Wänden die gleichen Bilder, die ich vor fast 30 Jahren selbst gemalt habe: lasierte Farben in den ersten Klassen, Menschen ohne Gesichter, die Hände ohne Finger zum Himmel heben.

Students were told to remove large ear-pieces; the reason: they were ‘no gypsies’ (!). This is perhaps the best part though:

Der Papst geht aufrichtiger mit den Sünden der Kirche um, als die anthroposophische Gemeinde mit den Sünden ihres Gründers. Ich hätte gern erlebt, dass einer ihrer Vertreter aufhört zu interpretieren und zu erklären, sondern einfach sagt: »Das mit den Astralleibern und Menschenrassen war dumm und falsch. Und Steiners direkter Draht ins Jenseits wäre besser seine Privatangelegenheit geblieben. Wir können heute darüber lachen und froh sein, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Lassen wir das hinter uns, Waldorf kann trotzdem gute Schule sein!«

Aber leider wird Waldorf diese Haltung nicht los, die sie von ihrem Gründer geerbt hat: Auf Alles eine Antwort zu haben, immer zu wissen, wie es richtig geht, sei es Ackerbau, Medizin oder Religion. Man kann das ganzheitlich nennen oder totalitär, je nach Standpunkt. Dazu passt die besondere Dialektik, mit der Waldorfvertreter auf Rückmeldungen von Ehemaligen reagieren: Kommt Lob, bestätigt das die Pädagogik. Kommt Kritik, ist sie ein Beleg dafür, dass die Schüler zu freien, unabhängigen Geistern erzogen wurden – und damit auch Bestätigung. So erschwert sich die Bewegung selbst ihre Weiterentwicklung.

The article is worth reading. The second article was published today.

Wo sieht man die Spuren Steiners in Ihrem Unterricht, Frau Junge? »Nirgendwo«, sagt die Lehrerin und: »überall«.

Oh, brilliant. But what follows is important.

Es komme darauf an, was man von der Waldorfpädagogik wisse. Vor Beginn der Deutschstunde hat sie zum Beispiel einen zwölfzackigen Stern an die Tafel gemalt hat. Seine Spitzen zieren Buchstaben. Die Kinder sehen nur eine leuchtende Zeichnung, die Schülern das Alphabet näherbringt. Eingeweihte erkennen dagegen sofort den tieferen anthroposophischen Sinn. Organe, Charaktereigenschaften, Jahreszeiten, Himmelskörper: Nach Steiner steht alles irgendwie in Beziehung zueinander, so auch die Konsonanten zu den Planeten. Durch den Stern an der Tafel sollen die kosmischen Kräfte ihre inspirierende Wirkung auf die Kinder entfalten. »Ich lasse dieses alte Wissen im Klassenraum leben, ohne dass wir darüber sprechen«, sagt die Lehrerin.

On teacher training:

Institut für Waldorfpädagogik in Witten-Annen bei Dortmund haben sie geprägt. Wer hier studiert, trifft auf Steiner in jedem Kurs. Egal, ob es gerade um Mathematik, Geschichte oder Deutsch als Fremdsprache geht: Immer stehen seine Werke auf der Leseliste. Im Kurs Naturkunde werden Pflanzenmetamorphosen nicht nur beschrieben, sondern auch »meditiert«. Und wer möchte, kann seine Diplomarbeit über die »Hierarchie der Engel bei Rudolf Steiner« verfassen.

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